KI-Sichtbarkeit selbst testen: So findest du heraus, ob deine Marke in KI-Antworten vorkommt
Von Detlef Ostfeld
Es ist kurz nach zehn an einem Dienstag, die Apotheke am Marktplatz riecht nach Desinfektion und kaltem Kaffee, und die Frau am Handverkaufstisch, Mitte vierzig, Jacke noch an, sagt einen Satz, den ich in Varianten seit Monaten höre: „Ich hab schon geschaut, ChatGPT meinte, ich soll das mit dem Magnesium nehmen.“ Die Apothekerin nickt. Beraten wird trotzdem. Die Vorentscheidung aber ist längst gefallen, woanders, in einer Antwortzeile auf einem Display.
Genau hier sind die meisten Marken blind. Sie wissen, wie sie bei Google ranken. Sie wissen, was der Außendienst zurückmeldet. Was die KI-Systeme auf die kaufentscheidenden Fragen antworten, wer da genannt und wer empfohlen wird, prüft kaum jemand. Dabei kannst du das selbst. Ohne großes Budget, an einem Nachmittag, mit einer Tabelle. Und danach, wenn es sich lohnt, mit einem Tool.
Das Wichtigste in Kürze
- Du kannst die KI-Sichtbarkeit deiner Marke selbst testen, von Hand mit einer Tabelle, bevor du ein Tool kaufst.
- Miss vier Dinge getrennt: ob deine Marke genannt wird, ob sie empfohlen wird, an welcher Position sie steht, aus welcher Quelle das Modell zitiert.
- Arbeite mit neutralen Fragen aus der echten Kaufreise deiner Kundschaft, nicht mit deinem Markennamen.
- Skalieren geht mit Tools wie Peec AI, Otterly.AI, Profound oder Scrunch AI. Für die erste Diagnose brauchst du keins davon.
- Entscheidend ist der Trend über Wochen, nicht der Einzelwert an einem Tag.
Hier die Schritte, so wie wir sie bei WSC fahren.
Schritt 1: Kläre, was „sichtbar“ bei dir heißt
Bevor du misst, entscheide, was du überhaupt zählst. „Sichtbar“ ist kein einzelner Wert. Er zerfällt in Fragen, die du sauber auseinanderhalten musst. Wird deine Marke in der Antwort genannt. Wird sie empfohlen, also aktiv als gute Wahl bezeichnet. An welcher Stelle taucht sie auf, ganz vorne oder als Fußnote. Aus welcher Quelle zieht das Modell seine Aussage, deine eigene Seite, ein Testportal, ein Wettbewerber, eine Behörde.
Eine Nennung ist keine Empfehlung. Diesen einen Satz vergessen die meisten, und dann feiern sie eine Erwähnung, die in Wahrheit nur ein Nebensatz war.
Schritt 2: Bau deinen Fragenkatalog entlang der echten Kaufreise
Schreib die Fragen auf, auf die du gefunden werden willst. Deinen Markennamen kennt das Modell ohnehin, der bringt dir nichts. Es zählen die Fragen, die deine Kundschaft wirklich stellt, von der ersten vagen Unsicherheit bis zum Nachkauf.
Zwei bis drei Dutzend pro Thema reichen für den Anfang. Deck die Phasen ab: die erste Symptomfrage („was hilft bei trockener Haut“), die Ursachenfrage, die Produktsuche, den Wirkstoff- und den Markenvergleich, die Händlerfrage („wo kaufe ich das am besten“), die Preis- und die Wiederkauf-Frage. Ein Praxistrick, der Zeit spart: Nimm deine Keywords aus der Google Search Console und schreib sie in gesprochene Sprache um. Aus „magnesium testsieger“ wird „welches magnesium ist das beste“.
Und trenn zwei Sorten Prompts. Die neutralen, in denen keine Marke vorkommt, das ist dein Hauptlauf, weil dort die Kaufentscheidung entsteht. Die gestützten, in denen du deine Marke und die Wettbewerber ausdrücklich nennst, führst du separat, um zu sehen, was das Modell dann über dich sagt.
Schritt 3: Leg Wettbewerber und Schreibweisen fest
Bestimm, gegen wen du misst. Fünf bis zehn Wettbewerber, dazu die Bezugsquellen, die in deinem Markt zählen, und die Info-Quellen, aus denen die Modelle schöpfen. Notier für jeden die genaue Schreibweise, in der du ihn erfasst, den kürzesten eindeutigen Namen. „dm“ ist zu unscharf, „dm-med“ und „dm-drogerie markt“ sind es nicht.
Und behalt im Kopf: Was die Modelle zitieren, sind Domains. Deine Kategorieseite, dein Ratgeber, dein FAQ, das sind die Objekte, die in den Antworten auftauchen oder eben fehlen.
Schritt 4: Setz die Testbedingungen
Öffne für jeden Durchlauf einen neuen, nicht personalisierten Chat, ohne Vorgeschichte. Sonst antwortet das Modell auf dich und nicht auf die Frage. Stell Land und Sprache fest ein, für den deutschen Markt also Deutschland und Deutsch. Wähl die Systeme, die deine Zielgruppe nutzt: ChatGPT, Google mit seinen AI Overviews, Perplexity, Gemini, je nach Markt auch Claude oder Copilot.
Halt die Prompts über die ganze Serie hinweg konstant. Wer mitten im Test die Formulierung ändert, misst nur sein eigenes Zappeln.
Schritt 5: Mach den ersten Lauf von Hand
Der erste Durchlauf gehört an die Tastatur, nicht in ein Tool. Frage rein, Antwort lesen, in eine Tabelle eintragen. Pro Zeile eine Frage in einem System. In den Spalten das, was du in Schritt 1 definiert hast: genannt ja oder nein, empfohlen ja oder nein, an welcher Position, welche Anbieter sonst noch fielen, welche Quellen verlinkt waren.
Das ist Fleißarbeit, zugegeben. Dafür verstehst du danach jede Zahl, die dein Report später ausspuckt, weil du sie mit eigenen Augen gesehen hast. Für die erste Diagnose brauchst du kein Werkzeug. Ein Nachmittag und ein Tabellenblatt genügen.
Schritt 6: Rechne die Kennzahlen aus
Fünf Werte tragen den größten Teil der Aussage:
- Mention Rate: Anteil der Antworten mit einer Nennung deiner Marke.
- Recommendation Rate: Anteil der Antworten mit einer echten Empfehlung.
- First Mention Rate: wie oft deine Marke zuerst genannt wird.
- Citation Rate: wie oft deine Quelle zitiert oder verlinkt wird.
- Share of Voice: dein Anteil an allen Anbieternennungen zusammen.
Schreib zu jeder Zahl den Zähler und den Nenner dazu. Sieben von zwanzig klingt ehrlicher als fünfunddreißig Prozent, und bei kleinen Stichproben ist es das auch.
Schritt 7: Skaliere mit einem Tool, zum Beispiel Peec AI
Wenn der Handlauf zeigt, dass sich das Thema lohnt, automatisierst du. Ein Tool nimmt dir das tägliche Abfragen ab und zeichnet den Verlauf auf. Am Beispiel Peec AI, einem Berliner Anbieter, läuft das so:
- Domain eintragen. Peec baut in wenigen Minuten ein Markenprofil und schlägt aus deiner Website Themen und Prompts vor. Nimm das als Startpunkt, ersetzt ist dein eigener Katalog aus Schritt 2 damit nicht.
- Wettbewerber ergänzen. Du fügst sie mit dem kürzesten eindeutigen Namen hinzu und siehst dann je Frage, wer neben dir oder statt dir auftaucht.
- Modelle und Markt wählen. Peec fragt unter anderem ChatGPT, Perplexity, Gemini, Copilot, Google AI Mode und die AI Overviews ab, gefiltert nach Land und Sprache. Jeder Prompt lässt sich mit Tags für Persona oder Funnel-Phase versehen.
- Laufen lassen. Jeder Prompt geht einmal pro Tag über jedes gewählte Modell. Das gibt dir Trendkurven statt Zufallstreffer.
- Dashboards lesen. Vier Bereiche tragen die Arbeit: Visibility (wie oft genannt), Position (wie weit vorne), Sentiment (in welchem Ton) und Sources (welche Domains zitiert werden). Der Sources-Blick ist der wertvollste, weil er zeigt, über welche Seiten du überhaupt in die Antworten kommst.
Preislich beginnt Peec im zweistelligen Bereich pro Monat und wächst je nach Prompt-Menge in den dreistelligen, bei unbegrenzten Nutzerplätzen. Die genauen Kontingente und Preise ändern sich schnell, prüf die aktuelle Liste. Für ein KI-Haus wie uns praktisch: Peec bringt einen eigenen MCP-Server mit, du kannst die Sichtbarkeitsdaten also direkt in Claude ziehen.
Oder andere Anbieter
Peec ist nicht die einzige Wahl, und für manche nicht die richtige. Je nach Bedarf:
- Otterly.AI, der günstigste Einstieg, gut für einen ersten Dauercheck bei kleinem Budget.
- Profound, die Enterprise-Klasse mit der größten Analysetiefe, gebaut für Teams mit eigener AEO-Funktion und passendem Etat.
- Scrunch AI, stark, wenn es darum geht, wie KI-Agenten deine Website überhaupt lesen und erleben, eher für Agenturen und große Marken.
- Die KI-Module von Semrush und Ahrefs, sinnvoll, wenn du in einer dieser SEO-Suiten ohnehin arbeitest und die KI-Sichtbarkeit an deine bestehenden SEO-Daten andocken willst.
Die Auswahl ist keine Glaubensfrage. Nimm das Tool, dessen Handlungsebene zu dem passt, was dein Team am Ende wirklich anfasst. Ein teures Dashboard, in das keiner reinschaut, ist rausgeworfenes Geld.
Schritt 8: Wiederhole und lies den Trend
Ein einzelner Lauf ist eine Momentaufnahme. Modelle und ihre Antworten ändern sich laufend, mal bist du drin, mal draußen. Deshalb misst du in fester Kadenz, wöchentlich oder alle zwei Wochen, und schaust auf die Richtung.
Sei dabei ehrlich mit dir. Selbst die Tools widersprechen sich untereinander, weil jedes anders zählt und andere Modelle abfragt. Kein einzelner Wert ist die Wahrheit. Die Bewegung über Wochen ist das Signal, auf das es ankommt.
Schritt 9: Mach aus Befunden Maßnahmen
Messen ist die halbe Miete. Der Sources-Report sagt dir, welche Seiten die Modelle zitieren, und damit, wo du hinmusst. Fehlt deine Kategorieseite in den Quellen, brauchst du eine, die die Frage beantwortet und nicht bloß Produkte auflistet. Wirst du nirgends zitiert, während ein Testportal überall auftaucht, hast du deine To-do-Liste: eigener Ratgeber-Content mit klaren Antworten, sauber strukturierte FAQ, Erwähnungen auf den Seiten, denen die Modelle vertrauen.
Sichtbarkeit in KI-Antworten kaufst du nicht. Du verdienst sie dir mit Inhalten, die eine Frage besser beantworten als der Rest.
Häufige Fragen zur KI-Sichtbarkeit
Wie teste ich, ob meine Marke in ChatGPT vorkommt?
Öffne einen neuen, nicht personalisierten Chat und stell eine neutrale Frage aus deiner Kaufreise, ohne deinen Markennamen. Protokolliere, ob deine Marke genannt wird, ob sie empfohlen wird, an welcher Position sie steht und welche Quellen zitiert werden. Wiederhole das über mehrere Systeme und über mehrere Tage.
Was ist der Unterschied zwischen einer Nennung und einer Empfehlung?
Eine Nennung heißt nur, dass deine Marke in der Antwort auftaucht. Eine Empfehlung heißt, dass das Modell sie aktiv als gute Wahl bezeichnet. Nur Empfehlungen bewegen die Kaufentscheidung spürbar, deshalb zählst du beide getrennt.
Welche Tools messen KI-Sichtbarkeit?
Spezialisierte Tracker sind Peec AI, Otterly.AI, Profound und Scrunch AI. Dazu kommen die KI-Module von Semrush und Ahrefs, wenn du ohnehin in einer dieser SEO-Suiten arbeitest. Für die erste Diagnose genügt eine selbst geführte Tabelle.
Was kostet KI-Sichtbarkeits-Monitoring?
Der Einstieg liegt im zweistelligen Bereich pro Monat, etwa bei Otterly. Spezialisierte Plattformen wie Peec bewegen sich im zweistelligen bis dreistelligen Bereich, Enterprise-Tools wie Profound deutlich darüber. Die Preise ändern sich schnell, prüf den aktuellen Stand.
Wie oft sollte ich messen?
In fester Kadenz, wöchentlich bis alle zwei Wochen, weil die Antworten der Modelle schwanken. Wichtig ist die Richtung über die Zeit, nicht der einzelne Messpunkt.
Welche Kennzahlen sind wichtig?
Mention Rate, Recommendation Rate, First Mention Rate, Citation Rate und Share of Voice. Gib zu jeder den Zähler und den Nenner an, damit kleine Stichproben nicht größer wirken, als sie sind.
Womit du anfängst
Heute: zehn neutrale Fragen aufschreiben und von Hand durch ChatGPT und die Google AI Overviews schicken. Diese Woche: auf zwei, drei Themenfelder erweitern, die Tabelle rechnen lassen, einen Anbieter wie Peec oder Otterly zum Test anmelden. Danach entscheidest du mit Zahlen im Rücken, ob und wo sich das Thema für dich lohnt.
Die Frau am Handverkaufstisch wird weiter mit einer fertigen Meinung reinkommen. Die Frage ist nur, ob deine Marke in dieser Meinung vorkommt, oder ob jemand anderes sie geliefert hat.
Detlef Ostfeld arbeitet an KI-Sichtbarkeit und Markenführung für Marken im Gesundheits-, Apotheken- und E-Commerce-Umfeld.
KI-Sichtbarkeits-Audit für OTC-Marken: kostenlose Excel-Vorlage
Kurzantwort: Diese Vorlage misst, ob eine OTC-Marke in Antworten von ChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity und Google AI Overviews genannt und empfohlen wird. 150 Prompts, zehn Kategorien, fünf Systeme. Excel-Datei, kostenlos, ohne Registrierung.
Was die Vorlage misst
Ein KI-Sichtbarkeits-Audit prüft, ob eine Marke in generierten Antworten vorkommt, an welcher Position und ob sie empfohlen oder nur erwähnt wird. Das sind zwei verschiedene Dinge. Die Vorlage zählt sie getrennt.
Erhoben werden sechs Kennzahlen: Mention Rate, Recommendation Rate, First Mention Rate, Citation Rate, Product Mention Rate und Share of Voice. Jede mit offen ausgewiesenem Zähler und Nenner.
Welche zehn OTC-Kategorien enthalten sind
Erkältung/Grippe, Husten/Hals, Schmerz/Fieber, Muskel/Gelenk, Magen/Darm, Vitamine/Mineralstoffe, Allergie, Haut/Wunde, Schlaf/Nerven, Augen.
Die Auswahl folgt der Umsatz- und Absatzbedeutung im deutschen Selbstmedikationsmarkt. Der lag 2025 bei 11,5 Milliarden Euro und rund 941 Millionen Packungen. Husten- und Erkältungsmittel stehen allein für etwa ein Drittel des Absatzes.
Wie der Prompt-Katalog aufgebaut ist
Jede Kategorie bekommt dasselbe Raster aus 15 Fragen. Zwölf davon sind markenneutral und laufen entlang der Kaufreise vom Symptom über den Vergleich bis zur Kaufentscheidung. Drei enthalten den Markennamen.
Der Abstand zwischen ungestützter und gestützter Sichtbarkeit ist der wichtigste Wert im ganzen Audit. Wer nur gefunden wird, wenn der eigene Name schon in der Frage steht, hat markendefensive Sichtbarkeit. Nachfrage abgeschöpft wird damit nicht.
Was du brauchst
Einen Nachmittag. Trag im Blatt „Konfiguration“ ein, wen du misst und gegen wen. Die gestützten Prompts und die Share-of-Voice-Tabelle bauen sich daraus. Erhebungsbogen, KPI-Auswertung und Dashboard rechnen automatisch.
Monitoring-Tools nehmen dir später die Fleißarbeit ab. Für die erste Diagnose brauchst du keins.
→ [Vorlage herunterladen]
Häufige Fragen
Enthält die Datei Ergebnisse? Nein. Sie ist ausschließlich das Instrument. Eine grau markierte Beispielzeile zeigt das Format und wird mit der ersten echten Erhebung überschrieben.
Für welche Marken eignet sie sich? Für Hersteller, Händler, Versandapotheken und Drogerien im OTC- und Gesundheitsmarkt. Auch für Apothekenkooperationen.
Wie viele Beobachtungen liefert ein Lauf? 150 Prompts mal fünf Systeme ergeben 750 Antworten. Für belastbare Aussagen den Lauf über mehrere Wochen wiederholen, weil Antworten zwischen Sitzungen schwanken.
Sind die zehn Kategorien fix? Nein. Übliche Alternativen sind Herz-Kreislauf/Venen, Frauengesundheit und Mund-/Rachenmittel. Die Tauschanleitung steht im Blatt „Kategorien“.
Detlef Ostfeld, August 2026
Zwei Dinge für die Technik: Pack den FAQ-Block als FAQPage-Schema aus, das erhöht die Chance auf Zitation deutlich. Und die URL sollte das Keyword tragen, also /ki-sichtbarkeits-audit-otc-vorlage.
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